Kurzträume und Fragmente
In einem Haus, das nicht das unsrige ist. Meine Mutter liegt schwer röchelnd auf dem Rücken, neben sich ihre, in der Mitte zerbrochene Brille. Etwas muß geschehen sein und ihr geht es sichtlich nicht gut. Bevor ich reagieren kann, gibt mir mein Bruder schon die Anweisung, den Notarzt zu rufen. Ich greife zum Telefon und wähle die Nummer 112. Eine Stimme meldet sich am anderen Ende, sofort beginne ich zu erzählen: "Wir haben einen Notfall....so und so und so.....". Die Stimme unterbricht mich und fragt mich etwas. Erst halte ich es für eine Frage zu den Umständen, habe in der Aufregung jedoch nicht zugehört und bitte, die Frage zu wiederholen. Die Stimme fragt mich, ob ich bereit bin, einen Fragebogen zu beantworten. Was denn für einen Fragebogen? Muß das jetzt sein? Der Notfall ist doch eilig, sehr eilig. Ich sage zögernd, daß es aber schnell gehen muß. Anscheinend machen die bei der Feuerwehr jetzt auch schon Umfragen zur Kundenzufriedenheit. Da beginnt der Fragebogen, doch bereits die ersten Fragen haben nichts mit der Sache zu tun, sondern es geht darum, ob ich Verträge für dies oder jenes abgeschlossen habe usw. Jetzt werde ich richtig wütend und schreie ungeduldig ins Telefon, daß wir hier einen Notfall haben und was man sich eigentlich denkt. Schlagartig wird mir klar, daß ich wahrscheinlich reingelegt wurde und das ganze gar kein Notruf ist, sondern eine Werbefalle. Ich schimpfe ins Telefon von wegen "Betrüger!" usw, doch die Person am anderen Ende beginnt nur höhnisch zu lachen. Scheint so, als wäre meine Ahnung richtig.
Aus den weiteren Träumen blieb mir ein völlig mit Wasser aufgeweichter Hof in Erinnerung, mit einem alten Küchenbuffett. Aus Holz und mintfarben gebeizt steht es verwittert auf diesem Hof herum und dient nur noch als Behausung für Unmengen von Insekten. Als ich die Schrankklappen öffne finde ich Spinnen, Asseln, Falter, sowie ein korpulierendes Marienkäfer-Pärchen, welches unnatürlich groß ist (Maikäfer-Größe).
Kurzträume und Fragmente - Freitag, 24. Oktober 2008, 22:24
Im Traum wußte ich unverrückbar und als eine selbstverständliche Tatsache, daß meine Anwesenheit heilsam auf andere Menschen wirkt. Wenn ich also heute meine kranke Mutter besuche, würde sie garantiert wieder gesund werden. Sogar daß mein Vater bis jetzt überlebt hat und überhaupt beide so lange leben und gesund blieben, liegt allein an meiner Nähe zu ihnen. Mit mir haben sie sich sozusagen das Leben ins Haus geholt.
Bemerkung: Wenn ich wüßte, daß ich tatsächlich schuld daran bin, daß mein Vater heute noch lebt, würde ich mir bis an mein Lebensende Vorwürfe machen. Ich habe mir ja sogar schon Gedanken gemacht, wie man ihn unauffällig und schmerzlos umbringen könnte. Gestern rief mich meine Mutter an, weil sie über Nacht heimtückisch von einer schweren Virusgrippe platt gemacht wurde. Wir verabredeten, daß ich heute komme und ihr Medikamente, Obst und diverses andere besorge, was sie benötigt. Es hat sie wirklich schlimm erwischt, nicht einmal mit meiner Schwägerin wollte sie telefonieren. Sie bat mich, daß ich mit ihr spreche und den geplanten Ausflug absage. Meine Schwägerin wollte am Wochenende bei meiner Mutter anrufen, und als ich dieser das ausrichtete, rollte sie mit den Augen. Das liegt wohl daran, daß K. ziemlich viel quasselt: Normalerweise hat meine Mutter nichts dagegen und wenn sie von K. nichts wissen und nicht quasseln will, dann muß es ihr wirklich richtig schlecht gehen. Aus dem Bett stöhnte sie mir herzerweichend entgegen: "Es ist so schönes Wetter draußen und ich muß hier drinnen liegen. "
Kurzträume und Fragmente - Freitag, 10. Oktober 2008, 11:56
Eine Frau in Anbetung versunken vor einem niedrigen Stück Mauer, auf welchem die Reste einer Inschrift zu sehen, aber nicht zu entziffern sind. Ich frage sie, was sie da tut und sie erzählt mir ganz begeistert, daß dies ein uraltes, wertvolles Relikt ist (von den Maya?). Ich jedoch meine zu wissen, daß dies eine Mauer ist, die erst vor einigen Jahren zu Ehren zweier Berliner Bären errichtet wurde und von der einfach die Buchstaben und Tafel geklaut wurden. Aber ich sage ihr das nicht und bleibe still, denn ich möchte ihre Andacht nicht stören.
Kurzträume und Fragmente - Donnerstag, 2. Oktober 2008, 10:47
Der
Wilde Kaiser beschwert sich, daß das Osterkörbchen, welches ständig an seinem Eßplatz steht und das er einmal von jemanden geschenkt bekommen hat, inzwischen leer ist. Es ist nur noch etwas Ostergras darin, aber keine Ostereier mehr. Ich frage ihn, warum er dann das Körbchen nicht wegwirft oder zumindest wegstellt. Er bedeutet mir daraufhin, daß er auf das Osterkörbchen auf seinem Frühstückstisch nicht mehr verzichten möchte, weil er sich so daran gewöhnt hat. Anscheinend mag er es sehr, obwohl keine Eier mehr darin sind, ob nun wegen des Körbchens selbst oder der damit verbundenen Erinnerungen, wage ich nicht beurteilen, vermute aber, daß es vor allem die Geste ist, die ihn daran hängen läßt.
Kurzträume und Fragmente - Samstag, 20. September 2008, 10:25
In meinem Bett sitzend (Bin ich gerade aufgewacht?) fällt mein Blick zuerst auf eine Bodenvase mit einem buschigen Strauß von Birkenzweigen. Sie steht genau neben dem Bett und obwohl die Zweige vom Baum abgeschnitten sind, glänzen die Blätter in einem satten, frühlingshaften Grün. Nur eine winzige kleine Zweigspitze ist abgestorben und trägt einige vertrocknete Blätter. Dies wird doch nicht der Anfang vom Ende sein? Werden die anderen Zweige frisch bleiben oder ebenfalls absterben? Mein Blick fällt jetzt auf den Tisch im gleichen Zimmer. Schmutzige Gläser und allerhand Kram findet sich darauf. Vor meinem inneren Auge entsteht träumerisch das Bild eines Tisches, welcher mit funkelnden Gläsern und strahlendem Geschirr ordentlich gedeckt ist. Auf einmal ist es so, als wäre dies die Wirklichkeit. Und mich überkommt die staunende Erkenntnis: Ich muß nur visualisieren. Sobald ich visualisiere wird das Visualisierte zur Realität.
Kurzträume und Fragmente - Freitag, 5. September 2008, 22:34
Mein Kollege M.K. entdeckt mir sein Geheimnis. Auf seinem entblößten Oberkörper sehe ich viele kleine und größere, verschieden geformte Narben. Sie stammen von Nadeln, Klammern, Messern und ähnlichen Dingen, er hat sie sich selbst zugefügt. Ich wußte nicht, daß er den Schmerz liebt. Fast ehrfürchtig streiche ich mit dem Zeigefinger über die vernarbte Haut. Ich fühle viel Respekt, weniger vor dem, was er sich gerne antut, als vielmehr vor der Wunde, die ihn dazu veranlaßt. Jeder Mensch trägt irgendwo einen geheimen Schmerz und es benötigt viel Vertrauen, ihn bloßzulegen, selbst wenn es sich nur um die sekundären äußeren Signale handelt.
Kurzträume und Fragmente - Freitag, 22. August 2008, 18:15
Eine Hochzeitsgesellschaft, alle in weiß gekleidet, fröhlich und ausgelassen. Die Menschen laufen in kleinen Gassen herum, reden miteinander und ich wundere mich ein bißchen, daß man nur Positives sieht, obwohl es doch auch Leid und Elend auf der Welt gibt. Aber gut, dem werden sie sicher nicht entgehen, aber ab und zu muß man einfach alles vergessen.
Liegend in einem kleinen, engen Raum ohne Dach. Über mir der Ast eines Kirschbaumes voller reifer, saftiger Kirschen. Ich strecke ein Bein aus und reiche damit genau bis zu den Früchten, suche mir eine besonders große und pflücke sie mit den Zehen. Sie purzelt auf mich herunter und ich esse sie.
Meine Mutter ordnet Bücher in ein Regal ein. Es ist alt und ziemlich unsicher. Unten zwar seitlich an einer Wand befestigt, oben aber in einem V von der Wand wegklaffend, da die Wand schief ist. Dementsprechend vorsichtig legt sie ein schweres Buch nach dem anderen in die Fächer, um zu prüfen, ob das Regal hält. Sie ist schon fast fertig, als ein Teil des Regales plötzlich nach vorne kippt. Geistesgegenwärtig fange ich das Regal ab und halte es hoch. Es ist nicht sehr schwer, aber ich muß es halten, damit es nicht nach vorne wegkippt. Meine Mutter ruft panisch, daß wir die Polizei holen müssen. Außerdem reibt sie sich den Finger, den sie sich wohl eingeklemmt hat. Ich beruhige sie und sage: "Hör zu! Wir müssen nicht die Polizei rufen, aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir das Regal richtig befestigen." Dabei schiele ich zu meinem Bruder, der in einer Ecke herumwerkelt. Außerdem nehme ich meiner Mutter auch das letzte Paket Bücher ab, das sie in der Hand hält. Sie seufzt, warum das alles gerade jetzt sein müsse, wo in einer Zeitschrift doch ein Interview mit ihrer Lieblingsschauspielerin sei. Dann geht sie, um die Zeitschrift zu holen, ich stehe mit Regal und Büchern bepackt da und sage: "Ähm.....willst du mich jetzt hier so stehen lassen?"
Kurzträume und Fragmente - Samstag, 16. August 2008, 11:31
Im Traum hatte ich die unumstößliche Gewißheit, daß ich eines nicht mehr allzu fernen, besser gesagt - erschreckend nahen Tages, der bereits feststeht und mir im Traum bekannt war, mit jemandem schlafen und schwanger werden würde. Dieses Wissen war keine bloße Ahnung inneren Ursprungs, sondern steht offen festgeschrieben und ist als etwas normales und alltägliches jedem zugänglich, in etwa so, als würde man auf einen Fahrplan schauen, außerdem ist es unabwendbar. Selbst, wenn ich nun mit diesem Wissen jeglichem Sex aus dem Weg gehen würde, geschähe es trotzdem, es ist nicht beeinflußbar. Allerdings wunderte ich mich darüber, woher man vorher wissen könne, daß ich genau an diesem Tag tatsächlich Sex haben würde, auch wenn ich mir vornehme, keinen zu haben.
Bemerkung: So langsam werden mir diese vielen Schwangerschaften unheimlich.
Kurzträume und Fragmente - Montag, 11. August 2008, 18:51
Etwas will aus mir heraus. Es ist ein Kind und ich hatte bisher keinen Schimmer, daß ich schwanger war. Im Moment befinde ich mich in einem Zwischenzustand, in welchem schon ein Stückchen vom Kopf zu sehen ist, aber das Baby noch nicht da ist. Ich habe zwar überhaupt keine Schmerzen, was mich etwas wundert, aber ich hatte mir auch nicht vorgestellt, daß das alles so lange dauern würde. Denn soviel ist klar - es wird noch eine lange Zeit dauern, bis es ganz auf der Welt ist, Tage, Wochen oder mehr... Vielleicht steckt es ja irgendwie fest? Doch eine innere Gewißheit sagt mir, daß alles in Ordnung ist und die Natur schon ihren vorgesehenen Lauf nehmen wird. Ok, es ist zwar etwas unbequem, aber ich habe trotzdem absolut keine Lust, irgendetwas zu beschleunigen. Stattdessen schlendere ich auf dunklen Waldwegen umher oder döse versteckt in einem Autowrack...und warte.
Kurzträume und Fragmente - Samstag, 2. August 2008, 23:28
Ein Park mit einem bunten Papagei, der auf einer Stange sitzt und mit einer durchsichtigen Plastiktüte zugedeckt ist, um ihn vor dem Regen zu schützen. Meine ehemalige Kollegin S. O. mit einem Jahreseinkommen von ca. 65.000 Euro. Ich wundere mich ein wenig darüber, denke mir aber dann, daß sie wohl die Nachfolge der damaligen Chefin angetreten hat. Ein Haus mit zugemauerten Fenstern. Ich meine, daß in diesem Haus meine ehemalige Kollegin wohnt.
Kurzträume und Fragmente - Freitag, 11. Juli 2008, 20:13