Auf dem leicht abschüssigen Vorplatz der alten Kirche. In der Hand halte ich eine Peitsche, die nur aus einem sehr langen Striemen ohne Griff besteht, in welchen in regelmäßigen Abständen zusätzlich Knoten hineingeflochten wurden. Zwei Männer stellen sich mir freiwillig zum Auspeitschen zur Verfügung. Sie knien zu meinen Füßen und der Untergrund betont unsere unterschiedlichen Haltungen noch, indem ich streng aufgerichtet auf dem höhreren Teil stehe, während die beiden tief gebeugt auf dem leicht abschüssigen Teil rutschen. Mit kindlichem Spaß mache ich mich daran, den ersten auszupeitschen, wobei ich im Überschwang gleich ziemlich fest aushole und zuschlage. Doch hinterher denke ich erschrocken, daß das zu fest gewesen sein könnte, weshalb ich mich mitfühlend zu ihm herunterbeuge und besorgt frage, ob es weh getan hat, bereit mich sofort zu entschuldigen. Aber er scheint in Ordnung zu sein und schüttelt den Kopf. Meine Rolle der Macht und Dominanz, die ich spiele, wird immer wieder durch meine mitfühlende Art unterbrochen, sowohl direkt als auch symbolisch, da ich mich zu meinen "Opfern" körperlich hinunterbegebe, doch mich selbst stört das nicht (von den Männern weiß ich es nicht). Im Gegenteil, ich möchte darauf nicht verzichten, denn dieses Mitfühlen und aufeinander Zubewegen gibt mir das Gefühl von Gemeinschaft und Gleichheit in diesem einsamen Spiel.
Als ich aus meiner Wohnung heraustrete, wundere ich mich, nicht den, in Träumen stets zu ebener Erde und offenen-terrassenartigen, Balkon vorzufinden, sondern einen dichten Fichtenwald. Besonders auffällig sind die sehr langen büscheligen Nadeln an den Bäumen. Die Stämme der Bäume stehen so dicht in Reih und Glied, daß zwischen ihnen tiefe Dunkelheit herrscht und Feuchtigkeit grau und gespensterhaft über dem gepolsterten Waldboden brütet. Ein Durchkommen ist hier nicht möglich, man kann den Wald nur auf den bereits angelegten Wegen durchqueren. Ein wenig fürchte ich, ich könnte mich verirren, doch bevor ich das zu Ende gedacht habe, erreiche ich auch schon den Waldrand, hinter welchem hügelige Wiesen beginnen. Das ist ja wirklich ein richtig winziger Wald! Aber trotzdem, so direkt vor dem Haus und anstelle des Gartens oder Balkons ist er irgendwie lästig.
(In den Geoponica (11,10), einem um 950 n.Chr. redigierten Sammelwerk zur Landwirtschaft, wird von Boreas, dem Nordwind, erzählt, daß er ein Mädchen von einem Felsen gestoßen habe, weil dieses seine Liebe verschmäht und dem Gott Pan den Vorrang gegeben habe. Das Mädchen wurde dann von der Erde in eine Fichte verwandelt, die klagt, so oft Boreas über sie hinstreicht.)
Ich bin eine vergessene Romanfigur aus meinem eigenen Roman, sitze an einem Tisch und grüble. So ganz weiß ich noch nicht, wer ich bin, doch als neben mir eine schwarzhaarige Frau auftaucht, glänzende Kastanien auf einen anderen Tisch legt und mich völlig kalt läßt, fällt es mir wieder ein: Ich bin ein arroganter, kaltblütiger und impotenter Mann, der kein Interesse an Frauen hat und ganz am Anfang des Romans vergessen wurde, nie wieder auftauchte. Doch nein, so ganz stimmt das nicht - meldet sich jetzt mein Autoren-Ich. Denn dieses weiß sicher, da es das Ende schon kennt, daß er wieder auftauchen wird, und zwar gegen Schluß des Romans. Wenn der Text fertig ist, wird er perfekt ausgewogen sein, denn jede Person wird genau zweimal darin vorkommen.
Im nächsten Traumbild bin ich auf einer Kinomesse unterwegs. Eigentlich hoffe ich, kostenlos eine DVD zum Anschauen abzustauben, doch die werden alle gut bewacht und dürfen nur unter Glasvitrinen betrachtet werden. Wie langweilig! Ich komme an einem Tisch vorbei, an dem jemand saß und auf welchem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Neugierig blättere ich darin. Jedem Kapitel ist ein kurzes Wörterbuch vorangestellt, da das Buch anscheinend in mehreren Sprachen bunt durcheinander geschrieben wurde. Ich drehe es um, um auf den Titel zu schauen. Es hat einen dunkelbraunen Einband. Darauf kann ich den Namen Theresa von Avila erkennen, sowie einen, wie mir scheint, französischen Titel, welcher mit "La po...." beginnt. Ich überlege, ob ich das Buch mitnehmen soll, aber erstens habe ich noch genug Lesestoff und zweitens weiß ich auch nicht, ob es mir erlaubt ist, das Buch einfach einzustecken. Also lasse ich es auf dem Tisch liegen.
Irgendwo während meines weiteren Herumstreunens treffe ich auf meinen Bruder. Dieser lädt mich in eine Schreberlaube zu einem gemeinsamen Kurzurlaub ein. Die Laube befindet sich am Rande von Berlin und spontan begeistert sage ich sofort zu und schon befinden wir uns auf dem Weg dorthin.
In einem Zimmer dieser Laube erwache ich gegen Morgen aus dem Schlaf der ersten Nacht. Etwas unangenehm fällt mir die kahle weiße Wand neben mir auf. Das ganze Zimmer, in dem ich allein liege, ist relativ spartanisch gehalten. Allerdings bemerke ich, daß es von den Abmessungen nicht ganz dem entspricht, was ich genau in dieser Nacht von dem Zimmer geträumt habe. Anscheinend war ich abends zu müde gewesen, um es genau mit allen Einzelheiten zur Kenntnis zu nehmen und habe deshalb "falsch" davon geträumt. Während ich noch im Bett liege schwirrt ein Schwarm schwarz-weißer Insekten herein. Es scheinen Fliegen mit einem tiefschwarzen Vorderteil und strahlend weißem Hinterteil zu sein. Sowas habe ich ja noch nie gesehen! Als sie mir zu nahe kommen, verscheuche ich sie schnell und sie ziehen sich zur Zimmermitte unter der recht niedrigen Decke zurück. Dort werden aus den Insekten plötzlich Puzzlestücke, welche im Raum schweben, sich dabei drehen und wenden, und sich völlig von allein, wie in einem Reigen, ineinandergreifend zu einem Bild anordnen. Das Bild besteht aus einem schwarzen Hintergrund mit darauf gezeichneten weißen Linien. Zuerst halte ich es für ein schief liegendes Porträt eines Menschen mit sehr breitem Kopf. Seltsamerweise ist der Kopf fast ebenso breit wie die Schultern und auch der Hals ist nicht so recht auszumachen. Da fällt es mir wieder ein: Es scheint eines dieser Raumfahrerbilder zu sein, wie Erich von Däniken sie auf alten Zeichnungen der Maya oder anderen Völkern gesehen haben will. Merkwürdig, daß das Puzzle ausgerechnet diese Abbildung zeigt.
Das Puzzle entschwindet meinem Bewußtsein und ich denke nun daran, aufzustehen. Dabei bemerke ich, daß ich völlig vergessen habe, irgendetwas mitzunehmen, weder Zahnbürste, noch Handtuch, noch Klamotten zum Wechseln. Ich habe nur das, was ich auf dem Leib trug, als ich hierher kam. Na ja, für die paar Tage wird es schon irgendwie gehen. Wasser ist ja da. Schließlich betrete ich zum Frühstück durch den Garten die extra gelegene großzügige Küche und muß feststellen, daß ich gar nicht allein mit meinem Bruder in der Laube bin, sondern sich sein gesamter Freundeskreis hier aufhält, das bedeutet mindestens dreißig Menschen. Dies läßt meine Stimmung etwas sinken, denn nun fühle ich mich verloren zwischen all den Menschen, die ich kaum kenne und zu denen ich auch aus verschiedenen Gründen nicht viel Kontakt bekomme. Ich nehme schnell ein kleines Frühstück zu mir, wobei ich mich ziemlich unwohl fühle und gehe wieder hinaus in den Garten. Dort werde ich ab und an von jemanden angesprochen, wechsle ein paar belanglose Worte, fühle mich aber trotzdem fehl am Platze und als Außenseiter. Irgendwie ist das genau so eine Situation, wie ich sie hasse, aber andererseits, nach Hause deshalb zu fahren, habe ich auch keine Lust. Sicher wird es mir niemand übel nehmen, wenn ich mich einfach absetze und ein paar lange Spaziergänge in die Gegend unternehme, wenn ich schon einmal hier bin. Kaum ist mir dieser Gedanke gekommen, springe ich bereits auf, um einem von zwei Wegen zu folgen, die fast parallel aus dem Garten hinausführen. Der Weg steigt sanft an, als würde ich einen Hügel besteigen und mit einem Mal hat es den Eindruck, als würde der Weg enden, denn ich befinde mich direkt auf der höchsten Spitze der Anhebung. Ich bleibe stehen, schaue in die Runde und mein Herz will vor Glück fast zerspringen, als ich das Meer sehe. Zwar weiß ich nicht, was das Meer hier macht, denn sooo weit kann ich eigentlich nicht gelaufen sein, aber ich habe keine Geduld, lange darüber zu grübeln. Stattdessen renne ich die Anhebung herunter auf das Meer zu, wie man zu einem Geliebten läuft, und lasse mich noch mit voller Bekleidung direkt in die Brandung fallen. Es ist schon herbstlich kühl, ich trage lange Hosen und eine Strickjacke, alles wird klatschnaß werden und schwer wieder trocknen, aber egal! Das Wasser ist relativ stürmisch und bewegt, ich lasse mich von der Brandung hin- und her schleudern. Weder schwimme ich, noch kämpfe ich gegen die Brandung an, noch habe ich Angst, weiter hinaus ins Meer geschwemmt zu werden. Ich lasse mich einfach mitreißen, lachend und weinend gleichzeitig vor Glück, bis ich das Gefühl habe, selbst das Meer zu sein.
Bemerkung: SO vom Meer träumen, kann man sicherlich nur, wenn man VÖLLIG hysterisch ist.
Ein Kaleidoskop aus bunten Traumbildern. Wie ein Mosaik liegen sie nebeneinander, um eines zu betreten muß ich nur "hineingehen". Ich lande in einem, in welchem die Initiation zu meinem Job gefeiert wird. Ich habe lange genug meinen Mann gestanden und werde nun völlig aufgenommen. Auf einem Tisch mit weißem Tischtuch, um den Kollegen und Familie sitzen, stehen eine breite Kerze und Cognacgläser mit Rotwein. Die Kerze endet oben schräg abgeschnitten, so daß das Anzünden sehr mühevoll ist. Immer wieder verglimmt die kleine Kerzenflamme, da sie im schrägen Untergrund nicht genug Nahrung findet. Immer wieder wird sie im kollektiven Bemühen von mir und anderen erneut entzündet. Seltsamerweise ist nicht nur die Kerze schräg, sondern auch der Rotwein in den Gläsern. Es sieht aus, als würde er geschwenkt werden, obwohl die Gläser gerade auf dem Tisch stehen. Dies scheint ein tieferliegendes Problem des aktuellen Traumbildes zu sein und hat seinen Grund irgendwo außerhalb des Traumes, über ihn hinausgehend. Vielleicht eine falsche Polung.
Im Traum wußte ich unverrückbar und als eine selbstverständliche Tatsache, daß meine Anwesenheit heilsam auf andere Menschen wirkt. Wenn ich also heute meine kranke Mutter besuche, würde sie garantiert wieder gesund werden. Sogar daß mein Vater bis jetzt überlebt hat und überhaupt beide so lange leben und gesund blieben, liegt allein an meiner Nähe zu ihnen. Mit mir haben sie sich sozusagen das Leben ins Haus geholt.
Bemerkung: Wenn ich wüßte, daß ich tatsächlich schuld daran bin, daß mein Vater heute noch lebt, würde ich mir bis an mein Lebensende Vorwürfe machen. Ich habe mir ja sogar schon Gedanken gemacht, wie man ihn unauffällig und schmerzlos umbringen könnte. Gestern rief mich meine Mutter an, weil sie über Nacht heimtückisch von einer schweren Virusgrippe platt gemacht wurde. Wir verabredeten, daß ich heute komme und ihr Medikamente, Obst und diverses andere besorge, was sie benötigt. Es hat sie wirklich schlimm erwischt, nicht einmal mit meiner Schwägerin wollte sie telefonieren. Sie bat mich, daß ich mit ihr spreche und den geplanten Ausflug absage. Meine Schwägerin wollte am Wochenende bei meiner Mutter anrufen, und als ich dieser das ausrichtete, rollte sie mit den Augen. Das liegt wohl daran, daß K. ziemlich viel quasselt: Normalerweise hat meine Mutter nichts dagegen und wenn sie von K. nichts wissen und nicht quasseln will, dann muß es ihr wirklich richtig schlecht gehen. Aus dem Bett stöhnte sie mir herzerweichend entgegen: "Es ist so schönes Wetter draußen und ich muß hier drinnen liegen. "
Ich liebe ja die vielen Statistikfunktionen der Alchera-Traumsoftware. Obige bezieht sich auf meine Träume zwischen 1990 und 2008 und verblüffend ist, daß ich im März jeweils die meisten und auch die längsten Träume erlebe. Nun ist der März der Fische/Neptun-Monat, aber allein dies dürfte dafür nicht verantwortlich sein, zumal man dann davon ausgehen müßte, daß die Mehrzahl der Menschen im März mehr träumt (wobei solch eine Untersuchung sicher mal interessant wäre). Zudem gehört der März aber auch zu meinem 8. Haus, dem Haus des Unterbewußtseins und der Grenzerfahrungen. Zufall? Interessanterweise ist der März außerdem ein Monat, in dem ich am häufigsten und manchmal auch besonders schwer erkranke. Scheint so, als hätten Krankheiten und Träume etwas gemeinsam. Vielleicht weil beide eine Botschaft für uns enthalten?
Um mich herum ein einsamer, nächtlicher Wald. Fahles Mondlicht zwischen den Bäumen und sprechende Stille. Ich beginne laut zu schreien, in langgestreckten, immer höheren Tönen schreie ich in den Wald hinein, weiter und weiter. Der Klang erinnert mich an das Heulen eines Wolfes. Bin ich ein Wolf? Ich meine mich zu erinnern, daß ich ein Mensch bin, aber vielleicht bin ich auch ein Wolf. Das Schreien verfolgt einen ganz bestimmten Zweck, ähnlich wie in diesem Aufwachtraum. Etwas soll damit vertrieben werden, doch damit es funktioniert, muß ich mich sehr anstrengen, meine Töne immer lauter und reiner werden lassen. Je mehr dies geschieht, um so mehr ähnelt es einem Singen, wenn auch aus voller Kraft. Es ist, als würde ich versuchen, das letzte Quentchen Atemluft aus mir herauszupressen, um damit den Klang zu formen, bis ich mich selbst darin verströme. Dabei schaue ich stets auf ein Stückchen Himmel zwischen dunklen Bäumen, das von dem Mond hinter den Wolken rötlich beleuchtet wird. Insekten schwirren um mich herum, eine Zecke läßt sich an einem Faden herunter, befindet sich immer in meiner Nähe, bis ich sie schließlich erschlage. Ich schreie weiter. Etwas Unheimliches, ein transzendentes Sein soll damit aufgelöst werden. Es ist die Seele des Grafen Dracula, die diesen Wald völlig ausfüllt, in jedem Atom mitschwingt. Je höher, lauter und reiner ich schreie, um so eher wird sie sich verflüchtigen und erlöst sein.
Bemerkung: Die Bilder des Waldes erinnern mich an den Film "Hotel". Wenn ich sowas noch öfters träume, weiß ich nicht, ob das meine Stimmbänder auf Dauer mitmachen. Beim Aufwachen tat mir vor Anstrengung der Hals weh.
Der Schrei im Traum deutet auf Verzweiflung aber auch auf ein Erwachen (im Traum) als Gegenbild zum Schlaf. Bisweilen regt der Schrei den Träumer an, sich klar zu äußern.
Nicht selten fühlen wir uns im Traum bedroht und möchten schreien, doch kein Laut kommt über unsere Lippen. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass wir uns in unseren ursprünglichen Bedürfnissen, zumeist zu Gunsten anderer übergehen, da wir nicht wagen uns gegen die Erwartungen abzugrenzen und zu wehren.
Töne sind selten im Traum, obwohl Komponisten schon ihre Kompositionen geträumt haben. Töne sprechen meistens den Sinn für unsere innere Stimme an. Im Mythos erzeugen die Engel Sphärenklänge, also besondere Töne, welche die Seelen der Hörer öffnen. Der Ton ist außerdem wie die Farbe ein symbolischer Ausdruck für Stimmungen.
In der Kirche meiner Kindheit. Es ist dunkel, nur schmale Streifen von Licht fallen über die Empore in bizzaren Streifen, während die Gänge unter der Empore ganz im Dunkel verschwimmen. Jemand spielt Orgel. Die Klänge wirken in der leeren Kirche zugleich unheimlich, aber auch wunderschön. Es ist, als würde ich die Töne nicht nur hören, sondern mit meinem Körper wahrnehmen. Obwohl ich einige Meter vom Altar entfernt stehe, scheint das verzerrte Gesicht des riesigen "Barlach"-Christus direkt über mir zu schweben. Ein Spatz sitzt auf einer der Dornen seiner Krone, pickt wie selbstverständlich von hier nach dort und fängt die Würmer aus dem Holz. Ich warte auf meinen Vater. Er ist auf den Turm gestiegen, um die Glocken zu läuten, aber bis auf die Orgel ist nichts zu hören. Ich setze mich auf eine der Holzbänke und warte. Auch die Holzbänke sind von Würmern durchlöchert. Plötzlich höre ich Schritte, aber nicht die hinkenden meines Vaters. Die Kirche ist bis auf die Tür zur Sakristei abgeschlossen. Angestrengt starre ich in das Dunkel um mich herum. Ein altes Mütterchen tritt hervor, setzt sich direkt neben mich. Ihre Augen leuchten veilchenblau und sind mit Tränen gefüllt. "Was ist mit Ihnen?" frage ich. Da reißt sie sich blitzschnell beide Augen aus dem Kopf, mit blutschwarzen Höhlen sitzt sie vor mir, streckt mir die Hände entgegen, in welchen die Augäpfel liegen. "Für dich!" Erschrocken wehre ich ab und will weglaufen. Andererseits möchte ich sie auch nicht allein so sitzen lassen. Was tun? Während ich aufgesprungen bin und panisch überlege, hat sie mir schon in jede Hand einen der Augäpfel gedrückt, als würde sie noch immer sehen können. Das Seltsame ist, daß die Augen mit meinen Händen verschmelzen, bis schließlich aus jeder Hand ein veilchenblaues Auge herausschaut. Ich habe ein ungeheuer schlechtes Gewissen. Wenn das mein Vater sieht, wird er mich fragen, was ich wieder angestellt habe. Er wird bestimmt sauer sein, daß ich der alten Dame die Augen geklaut habe und dabei war ich das gar nicht. Erst nach minutenlangem Grübeln fällt mir auf, daß mich die Frau wieder mit zwei völlig gesunden Augen anschaut. Puh, da bin ich aber froh. Vor Erleichterung möchte ich sie fast küssen. Sie lacht und zeigt zu den Fenstern. Das Glas zerschmilzt im Morgenlicht, ein bunter Schwall fließt schillernd die Wände hinunter. Vögel flattern hinein und hinaus und auf einmal ähnelt die Kirche mehr einer schimmernden Grotte. Der Anblick ist hinreißend.
Einige Tage vor Beginn einer neuen Staffel, wird das Big-Brother-Haus für die Allgemeinheit als eine Art Herberge geöffnet. Ich bin mit anderen Leuten auf Reisen, und da wir kein Hotel mit freien Zimmern mehr gefunden haben, kommen wird dort unter. Das Merkwürdige ist, daß ich dort alles verkehrt herum mache. Ich schlafe am Tag und bin nachts auf, ja, ich liege sogar mit dem Kopf am Fußende des Bettes und mit den Füßen am Kopfende. So jedenfalls wache ich spät am Tag auf. Es ist schon Nachmittag und ich frage mich, was man wohl von mir denken wird, wenn ich so lange schlafe. Plötzlich habe ich das Gefühl, nackt im Bett zu liegen. Sollte ich etwa aus Gewohnheit nackt schlafen gegangen sein, ohne daran zu denken, daß ich beobachtet werde? Wie peinlich! Vorsichtig taste ich unter der Bettdecke vor und glücklicherweise trage ich doch einen Schlafanzug, dessen dünne Spaghettiträger jedoch von den Schultern gerutscht sind. Umständlich ziehe ich sie unter der Bettdecke wieder hoch. Dann bleibe ich noch ein bißchen liegen. Mir ist dabei bewußt, daß ich, egal auf welche Seite ich mich wende, nirgends unbeobachtet bin. Es wurden vor der neuen Staffel extra neue Spiegel und Kameras eingebaut, die jetzt wirklich von allen Seiten und Winkeln filmen. Ziemlich lästig das. Schließlich springe ich aus dem Bett und suche meinen Koffer. Ich finde ihn erst, nachdem ich etwas planlos im Schlafzimmer herumgelaufen bin, neben der Tür. Beim Anziehen streife ich die Jeans über die Schlafshorts. Das wirkt zwar sicher etwas seltsam, aber Ausziehen tue ich die hier nicht. Zum Glück reisen wir heute schon wieder ab. Die restliche Zeit bis zur Abreise versuche ich mir irgendwie zu vertreiben, wobei ich gleich neben der Eingangstür ein Regal voller Kosmetikartikel wie im Kaufhaus finde. Ich stöbere ein bißchen und stelle fest, daß es haufenweise Sets für falsche Fingernägel enthält. Ich nehme das eine und andere in die Hand, schaue kurz drauf, mehr um die Zeit totzuschlagen denn aus wirklichem Interesse, und lege sie gelangweilt wieder zurück. Falsche Fingernägel scheinen hier die einzige Beschäftigungsmöglichkeit zu sein. Wie gut, daß ich nicht mehr lange hier bin.
Bemerkung: Mich beschäftigten, nachdem ich die Doku zum Berliner Schloss gesehen habe, die Abhör- und Videokabel für eine ganze Kleinstadt, die in den unterirdischen Gängen gefunden wurden, die zum Palast der Republik führten. Schließlich bin ich zwar nicht oft, aber doch einige Male dort gewesen.
Irgendjemand, ein imaginäres Etwas im Hintergrund, verlangt von mir und Hausmeister S., daß wir miteinander schlafen. Die Idee stammt weder von mir, noch von ihm, obwohl mir schon klar ist, daß für ihn damit wohl ein Traum in Erfüllung geht und er sich dieser Aufgabe deshalb etwas freudiger widmet als ich. Eigentlich habe ich auch nicht vor, mich meiner Pflicht zu entziehen, obwohl mir schon der Gedanke seiner Nähe unangenehm ist, doch sobald er bei mir im Bett ist und versucht, mir den Slip auszuziehen, sträube ich mich. Er versucht es mehrere Male und läßt wegen meines Widerstandes wieder ab. In mir kämpfen Pflichtgefühl und Wille miteinander, aber triebhaft gewinnt stets der Wille die Oberhand und der sagt: Nein! Mir fallen die Boxershorts auf, die S. trägt. Sie sind bunt-geblümt auf schwarzem Untergrund und auf der linken, unteren Ecke befindet sich die Abbildung eines großen Schmetterlings aus milchig-filigranen Linien. In einiger Entfernung betrachtet, wirkt der Schmetterling eher wie ein Spermafleck. Vielleicht ist es ja auch einer und ich deute nur einen Schmetterling hinein. Da S. unten bei mir nicht weiterkommt, öffnet er jetzt mein weißes, etwas altertümlich anmutendes Nachtgewand und saugt an meiner Brust. Ich lasse ihn kurz gewähren und schiebe ihn dann weg, worauf er versucht mich zu küssen. Schnell wende ich das Gesicht ab, so daß er nur meine Wange erwischt. Die intime Nähe mit ihm ist mir unangenehm und erzeugt fast Übelkeit. Er wirkt etwas ratlos und scheint mir gegenüber ziemlich befangen zu sein. Das versuche ich mir damit zu erklären, daß er eine gewisse Bewunderung für mich hegt. Ich spüre, daß er zwar schon gerne würde, aber die Situation aufgrund seiner Befangenheit ebenfalls als etwas unangenehm empfindet. Natürlich könnte er auch einfach Gewalt anwenden, aber entweder ist er dazu nicht der Typ Mann oder aber, seine Befangenheit hält ihn davon ab. Dies ist ein Aspekt, den ich ausnutzen sollte. Das tue ich, indem ich ihn nicht gänzlich zurückstoße, um ihn nicht wütend zu machen, aber mich weiterhin gekonnt ziere. Irgendwann ist die Zeit vorbei und wir dürfen voneinander ablassen. Nicht nur ich bin heilfroh darüber, auch er scheint einigermaßen erleichtert. Als wir zusammen in der Straßenbahn sitzen, ist er wieder viel unbefangener und lockerer. Auf einer Werbefläche an der Fahrerkabine wird das Bild einer Boxershorts projeziert. Es ist dieselbe, die er im Bett getragen hat, was er auch sofort laut ausruft: "Da sind meine Boxershorts, siehst du?" Ich nicke nur und denke still: "Oh ja, schrei es noch lauter, damit jeder weiß, daß wir zusammen im Bett waren."
Die perfekte Beinwippe und Eidotter als Gabe für die Götter
Bei einer Turnstunde, die von einer Frau geleitet wird. Sie beschäftigt sich zuerst mit jemandem einige Meter vor mir und möchte, daß er eine Weile die gestreckten Beine vom Boden abhebt. Allerdings soll dies nicht zur Körperertüchtigung dienen, sondern ist eine Art Test, durch welchen sie sich nicht nur ein Bild von den körperlichen Fähigkeiten, sondern sogar von der gesamten Persönlichkeit eines Menschen machen kann. Jetzt kommt sie zu mir und stellt mir die gleiche Aufgabe. Ich strecke meine Beine durch, lehne mich zurück (ist es nicht ein bißchen zu weit zurück?) und hebe sie an. Ruhig und gerade schweben sie über dem Fußboden, während die Frau prüfend ihre Handflächen ein Stückchen darüber hält. So geht das mehrere Minuten, die Beine darf ich erst wieder herunternehmen, wenn sie es sagt. Trotzdem habe ich keine Probleme, es geht völlig leicht, ich könnte noch Stunden so sitzen. Die Frau scheint ziemlich angetan vom Ergebnis des Tests. Sichtlich bewundernd sagt sie wie zu sich selbst: "Daß Sie Ihre Beine so ruhig halten können!". Sowas hat sie anscheinend noch nicht gesehen. Nun werde ich neugierig und frage, ob das etwas zu bedeuten hat. Denn schließlich kann sie aus dem Ergebnis ja eine allgemeine Einschätzung der gesamten Person ableiten. Doch sie wird jetzt ausweichend und behauptet, wenig überzeugend, daß dies nichts zu bedeuten hätte. Na gut, anscheinend will sie mir ihre Schlußfolgerungen nicht mitteilen. Auch gut. Ich bekomme jetzt ein Handygespräch von ihr mit, in welchem sie irgendwo anruft und fragt, ob es reicht, wenn sie gegen sieben oder acht Uhr kommt. Sie gehört einem Streiftrupp an, der nachts gewisse Wege abgeht, um die Sicherheit dort zu erhöhen, da an diesen Plätzen ein Verbrecher ein Unwesen treibt. Dann wendet sie sich einer Küchenanrichte zu, um dort einen Kräuterquark zuzubereiten. Dazu öffnet sie eine Tupper-Schüssel mit hartgekochten Eidottern und gibt einige Löffel davon in den Quark. Dies macht sie jedoch nicht zur Geschmacksverfeinerung, sondern, wie ich ihren gemurmelten Worten entnehme, ist das eine Art rituelles Opfer. Indem man einige Löffel hartgekochte Eidotter in den Quark gibt, werden launische Geistwesen und Götter friedlich gestimmt.
Bemerkung: Sollte das schon die Traumvorbereitung auf die Krankengymnastik sein? Ich fürchte allerdings, daß diese Übung im Traum nicht viel Wirkung auf die Bauchmuskeln hat. Wenn ich die real mache, halte ich nur wenige Sekunden durch.
Eine Frau in Anbetung versunken vor einem niedrigen Stück Mauer, auf welchem die Reste einer Inschrift zu sehen, aber nicht zu entziffern sind. Ich frage sie, was sie da tut und sie erzählt mir ganz begeistert, daß dies ein uraltes, wertvolles Relikt ist (von den Maya?). Ich jedoch meine zu wissen, daß dies eine Mauer ist, die erst vor einigen Jahren zu Ehren zweier Berliner Bären errichtet wurde und von der einfach die Buchstaben und Tafel geklaut wurden. Aber ich sage ihr das nicht und bleibe still, denn ich möchte ihre Andacht nicht stören.
Ich bin Initiator und Organisator eines größeren Buchprojektes, an dem mehrere Autoren beteiligt sind (so wie seinerzeit "Müll"). Es sind ziemlich hochkarätige Leute mit einigen Erfahrungen mit dabei und ich selbst wundere mich eigentlich, wie ich dazu gekommen und ob ich dieser Aufgabe überhaupt gewachsen bin. Denn wenn ich außer Differential- und Integralrechnung eines nicht kann, dann ist das Organisieren. Aber ok, soo schwer dürfte es vielleicht doch nicht sein und ich muß mich ja nicht für alles verantwortlich fühlen. Zusätzlich steht dieses Buchprojekt anscheinend auch noch im Wettbewerb zu anderen Projekten. Bei einer Besprechung mit den Autoren treffe ich meine frühere Mitschülerin U. M., die sehr nervös, unzufrieden und genervt wirkt und wohl ebenfalls Mitwirkende ist. Ich möchte sie gerne fragen, was mit ihr ist, aber da ist sie schon weg und läuft immer ein paar Schritte vor mir in einer Menschenmenge, so daß ich Mühe habe, sie einzuholen und zu erreichen. Endlich kann ich sie am Arm fassen und mich bemerkbar machen. Sie bleibt stehen, ich fasse vertraulich ihre Hand und Frage sie: "Was ist mit dir?" Sie beginnt zu erzählen wie ein Wasserfall. Hand in Hand schlendern wir auf einem alten Schulhof entlang und lassen uns nicht mehr los. Wir suchen uns einen ungestörten Winkel, wo sie mir ihr ganzes Herz ausschüttet, sintflutartig. Schließlich ist sie ruhig geworden und ich schaue ihr über die Schulter dabei zu, wie sie aus einem schneeweißen gehäkeltem Gewebe mit großen Quadraten einzelne Stäbe herausschneidet. Ich finde an sich diese Quadrate, bzw. "Löcher" im Gewebe schon sehr groß, aber das war ja irgendwann in den Achtzigern mal modern. Diese Quadrate, bzw. "Löcher" jetzt noch größer zu machen, mutet mich etwas seltsam an. Ich frage sie, weshalb sie das tut und sie antwortet: "Wir müssen einfach größere Maschen machen." Ich verstehe sofort, daß dieses Gewebe mit dem Buchprojekt zusammenhängt und daß wir, um im Wettbewerb zu bestehen, ein Gewebe mit größere Maschen machen müssen.
Der Wilde Kaiser beschwert sich, daß das Osterkörbchen, welches ständig an seinem Eßplatz steht und das er einmal von jemanden geschenkt bekommen hat, inzwischen leer ist. Es ist nur noch etwas Ostergras darin, aber keine Ostereier mehr. Ich frage ihn, warum er dann das Körbchen nicht wegwirft oder zumindest wegstellt. Er bedeutet mir daraufhin, daß er auf das Osterkörbchen auf seinem Frühstückstisch nicht mehr verzichten möchte, weil er sich so daran gewöhnt hat. Anscheinend mag er es sehr, obwohl keine Eier mehr darin sind, ob nun wegen des Körbchens selbst oder der damit verbundenen Erinnerungen, wage ich nicht beurteilen, vermute aber, daß es vor allem die Geste ist, die ihn daran hängen läßt.
Mit einem leeren Einkaufswagen suche ich den Eingang zu einem Haus. Ich fahre eine kleine Rampe hinunter und lande auf einer großzügigen Treppe, wo die Rampe allerdings endet. Da es etwas schwierig sein dürfte, mit dem Einkaufswagen die Treppe hinunterzukommen, suche ich einen anderen Weg und finde im Haus neben der Treppe eine Fahrstuhltür. Oh prima! Dann stell ich mich jetzt mit dem Wagen in den Fahrstuhl, auch wenn ich noch nicht weiß, wo ich damit lande. Statt nach unten fährt der Fahrstuhl nach oben und ich steige in einem Flur aus. Anscheinend bin ich in einem Verlagshaus gelandet. Ich schlendere den mit Teppich ausgelegten Flur entlang (den Einkaufswagen habe ich wohl irgendwo stehen gelassen, denn der ist nicht mehr dabei) und mir fällt auf, daß überall auf dem Flur stehend oder sitzend Araber herumlungern. Der Flur macht eine Biegung nach links und auch hier steht eine dunkelhaarige, wahrscheinlich palästinensische Frau herum. Sie trägt vor sich auf der Brust das Foto von irgendjemanden angeheftet. Es scheint so, als würde sie für oder gegen etwas protestieren. Mir kommt es auch so vor, als würde sie einen Sprengstoffgürtel tragen, aber ich wage nicht, genauer hinzusehen, sondern mache, daß ich weiterkomme. Hauptsache, sie sprengt die Bombe nicht gerade jetzt. Der Flur macht erneut eine Biegung nach links und hier findet sich so eine Art Wartezimmer, welches ebenfalls voller Araber mit Turbanen auf dem Kopf ist. So langsam dämmert es mir, daß sie das Verlagshaus besetzt haben, wenn ich auch nicht weiß, was sie weiter planen. Eine Bombe? Friedliche Demonstration? Geiselnahme? Ich sollte machen, daß ich weg komme. Der Flur macht wieder eine Biegung nach links und mir wird klar, daß das gesamte Haus quadratisch ist und man, wenn man einmal durch den Flur gelaufen ist, an derselben Stelle herauskommt, wo man den Flur betreten hat. Inzwischen muß ich das Haus verlassen haben, da unterhalte ich mich mit jemanden. Eigentlich wollte ich von dem Verlag ein bestimmtes Buch oder Manuskript haben, das fällt mir aber jetzt erst ein. Die Stimme des Gesprächspartners, den ich nicht sehe, sondern der irgendwie nur in meinem Kopf ist, fragt mich, was ich mache, wenn man mir das Buch oder Manuskript nicht gibt. Ganz einfach, sage ich, ich werde über meine Mutter gehen, die in dem Verlag arbeitet, bzw. gearbeitet hat. Für mich ist es in diesem Moment so sicher wie das Amen in der Kirche, daß ich dann zu dem Buch oder Manuskript kommen werde. Also absolut kein Grund, sich über irgendwelche Eventualitäten den Kopf zu zerbrechen.
~Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr der Menschen...~
(Hiob 33,13-16)
~Ich träumte, ich sei ein Schmetterling, hin und her flatternd, mit allen Absichten uns Zielen eines Schmetterlings. Plötzlich erwachte ich, und lag da wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht, war ich ein Mensch, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der jetzt träumt, er sei ein Mensch?~
(Tschuangtse, chinesischer Philosoph)
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Zuletzt aktualisiert: 21. Jan, 14:01