Der Kuß
Ein sehr großes Spielfeld, ein Saal oder ähnliches. Steil fallen Bänke zu einer Seite hin ab. Ich sitze ganz oben, neben mir meine ehemalige Chefin Frau G. Es ist wirklich schwindelerregend hoch, ich habe das Gefühl, nichts mehr unter meinen Füßen zu haben. Das Spielfeld erscheint von hier oben winzig klein. Die Höhe nimmt mir die Luft zum Atmen, da ich kaum wage, mich zu bewegen. Auf dem Spielfeld "gehen", bzw. wandeln grasgrüne eierförmige Wesen, es scheinen Roboter zu sein. Allerdings bin ich weiter mehr mit meiner unbequemen Höhe beschäftigt. Frau G. schaut mich von der Seite an und errät meine Gedanken, denn sie sagt, daß ich mich sicher in der Höhe nicht wohl fühle. Ich fühle mich ertappt, meine aber, das abstreiten zu müssen, weshalb ich den Kopf schüttel und sage, das mache mir nichts. Frau G. meint jetzt weiter, daß mir doch aber ein bißchen schwindlig ist. Ich schaue auf meine rechte Seite und sehe dort K.T., eine ehemalige Mitschülerin. Sie ist so alt geworden! Um ihre Augen zieht sich ein Netz feiner Fältchen. Dann wende ich mich wieder Frau G. zu. Diese erzählt jetzt, daß sie von der Sache mit meinem Vater gehört habe. Aus ihrem Mund klingt das wie eine Anerkennung, als wenn ich wer weiß was für eine Tat vollbracht oder sonstwas geleistet hätte. Auch meine Höhenangst scheint dadurch absolut verzeihbar und unrelevant zu werden. Ich fühle mich unwohl, nun aber weniger wegen der Höhe, als vielmehr, weil ich glaube, daß ich wegen dieser Sache wohl kaum Lob oder Anerkennung verdient habe. Schließlich ist das nichts besonderes, jeder kann mal in so eine Situation kommen und versucht sie dann so gut wie möglich zu meistern. Und dabei habe ich mich sicher nicht nur mit Ruhm bekleckert. Doch Frau G. ist voller Anerkennung (oder sogar Bewunderung?) und versucht mich jetzt auch noch zu küssen. Durch die Höhe kann ich mich nicht viel bewegen und wende nur ein wenig das Gesicht ab, doch sie erwischt trotzdem noch meine Oberlippe. Ihre dicken prallen Lippen drücken einen feuchten Kuß auf meinen Mund. Wie unangenehm! Und das von einer ehemaligen Chefin. Nun in einem tristen, dämmrigen Gang. Am Ende befindet sich eine breite Tür. Ist es ein Krankenhaus? Es scheint, als habe der Gang etwas mit meinem Vater zu tun. Führt er mich vielleicht zu ihm? Ich gehe auf die Tür zu, doch kurz vorher drehe ich um. Ich wage es nicht, die Tür zu öffnen.
Berufsträume - Mittwoch, 19. Dezember 2007, 23:38









