Barfuß im Sturm und die angehaltene Zeit

Ich bin von irgendeiner Veranstaltung auf den Weg nach Hause, wobei ich aus dem Norden komme und von einer Radfahrerin mitgenommen werde. Allerdings ist ihr Fahrrad irgendwie geteilt, so dass ich mich immer beeilen muß, hinterherzukommen, weil ich mich sonst alleine auf dem Hinterrad abstrampel. (Was ich ja eigentlich auch mache, wenn sich das Vorder- und Hinterteil des Rades berühren, aber aus irgendeinem Grund wollte ich nicht, dass sich das Rad trennt.) Ich sage ihr, dass sie mich an der S-Bahnbrücke absetzen soll, was sie auch tut. Da es Donnerstag oder Freitag ist und 20 min vor einer bestimmten Uhrzeit am Abend, überlege ich mir, ob ich nicht noch bei meinem örtlichen Kino vorbei und auf den Spielplan schauen soll, da es Donnerstag oder Freitag immer geöffnet ist (oder vielleicht Kinotag? - Dieses Kino wurde schon vor vielen Jahren, kurz nach der Wende, abgerissen, obwohl historisch wertvoll.) Statt also links einzubiegen gehe ich geradeaus weiter die Straße entlang, wobei neben mir zwei oder drei von meinen Kollegen gehen, die mich aber nicht zu sehen scheinen.
Ich biege in eine Tordurchfahrt ein, wo sich auf dem Hinterhof das Kino befindet. Vor dem Kino stehen ziemlich viel Leute herum, die ich aber als Kinopersonal identifiziere. ich suche an der Wand den Spielplan, werde aber gleich von einer Frau wie in einem Geschäft angesprochen, was ich wünsche. Ich frage, was heute für Film läuft und sie erklärt mir, dass die Kinovorstellung heute geschlossene Gesellschaft ist, wohl nur für Kindergärten, Kindergärtnerinnen oder so. Dabei fällt mir auf, dass das Personal vom Kino merkwürdige Masken über dem Kopf trägt, so wie Bankräuber, aber in weiß.
Die Straße wieder zurücklaufend beginnt ein sehr heftiger Sturm und als eine Windböe mir eine riesige Welle Spreewasser um die Füße schwappt (die dort gar nicht fließt), merke ich, dass ich barfuß bin. Barfuß wate ich also durch riesige Pfützen und knöchelhohes Wasser, wobei sich über mir das dichte Blätterdach von Bäumen befindet. Dieses hängt extrem tief und durch den Sturm wird es immer nach unten gestaucht, so daß ich nur gebückt laufen kann und mir die Hände über den Kopf halte, damit mich kein Ast trifft und k.o. schlägt. Genau an der Brücke ist die Straße aufgerissen und ich muß barfuß durch einen holprigen und engen Graben, um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Dort hört der Sturm schlagartig auf und ich habe ein Deja-vu, weil ich eine Straßeneinmündung sehe, an welcher ich in einem anderen Traum schon einmal stand. Und wie auch schon in diesem anderen Traum sehe ich von weitem eine Kollegin dort entlanglaufen, die im Traum dort wohnt (aber in Wirklichkeit woanders). Ich bin noch nie hier entlanggelaufen, gehe sonst immer einen anderen Weg nach Hause, aber beschließe nun, dort mal schräg durchzulaufen. Je weiter ich den Weg gehe, um so dichterer Wald ist um mich. Er ist fast menschenleer, nur eine Anglerin sehe ich am Wegesrand. Ich befürchte, dass ich nun doch nicht links schräg hindurchlaufen kann und mich verlaufe, deshalb beschließe ich, nach rechts durchzubrechen, wo ich durch Gebüsch und Pflanzenrabatten das Spreeufer sehe (auch dort fließt eigentlich keine Spree). Immer noch barfuss kämpfe ich mich also durch das Gebüsch und klettere über einige große Pflanzenkübel mit schwarzer Erde. Die Spree ist über das Ufer getreten und ich wate barfuß, fast wie am Meer, durch das flache Wasser, immer das Ufer entlang. Es ist sehr angenehm, obwohl es erst Frühling ist und noch nicht sehr warm. Nach einer Weile erreiche ich ein Hafenbecken, in welchem viele Kähne angetäut sind. Von diesem Hafenbecken führt ein breiter, aber nicht sehr tiefer künstlicher Wasserfall hinunter in ein anderes, künstlich angelegtes Becken, welches von alten Handelshäusern umgeben ist. Auch das Ufer ist hier nun befestigt und außerdem ist es dunkel geworden. Irgendwie wirkt dieser Ort sehr idyllisch und abenteuerlich und ich bin entzückt, bedauere, dass ich meine Kamera nicht dabei habe. Ein Teil der Häuser und des Wasserbeckens führen in einen Tunnel hinein, so dass es aussieht, wie eine Stadt unter der Erde. Dieser Tunnel entpuppt sich als S-Bahnhof, allerdings als einer, der schon etwas weiter entfernt von meinem Zuhause liegt, deshalb beschließe ich, mit der S-Bahn wieder zurückzufahren. Der Aufgang zur S-Bahn ist allerdings nur eine schmale, kleine, meines Erachtens fest verschlossene Tür, an welcher ein großer Kasten voller Papierkram, Akten usw. hängt. Da ich denke, dass ich die Tür erst öffnen kann, wenn ich diese ganzen Berge Papierkram entfernt habe, stelle ich mich also hin und werfe einen Stapel nach dem anderen zur Seite. Hinter mir kommt eine Frau und wartet auch darauf, zur S-Bahn zu gehen. Es ist meine Chefin, Frau K. Noch ehe ich das ganze Papier entfernt habe, probiere ich rein zufällig mal die Klinke der Tür und merke, dass sie sich ganz leicht öffnet. Dahinter befindet sich ein schmaler Gang, der mich im Traum irgendwie an den Flur einer Fachhochschule erinnert, weil an der Wand lauter kleine Täfelchen hängen (wohl eine Verarbeitung des Bildes der Anwesenheitstäfelchen in der Geishaschule aus "Die Geisha").
Das Seltsame an dem Traum war, dass es schien, als sei die Zeit stehengeblieben. Natürlich ist sie das nicht, denn ich bin vor dem Traum und nach dem Traum aufgewacht und hab auf die Uhr geschaut. Der Traum hat genau eine Stunde gedauert. Doch es war mir, als sei das alles viel länger gewesen, mindestens einen halben Tag lang und deshalb wirkte es wohl so, als sei die Zeit stehengeblieben. Dadurch hatte ich allerdings erhebliche Schwierigkeiten, mich zeitlich zu orientieren.

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Das verborgene Buch der Träume

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~Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr der Menschen...~ (Hiob 33,13-16)

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~Ich träumte, ich sei ein Schmetterling, hin und her flatternd, mit allen Absichten uns Zielen eines Schmetterlings. Plötzlich erwachte ich, und lag da wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht, war ich ein Mensch, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der jetzt träumt, er sei ein Mensch?~ (Tschuangtse, chinesischer Philosoph)

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