Der orangefarbene Problembär

Verwinkelte Gänge eines Dachbodens. Von einem schmalen, finsteren, geht ein noch kleinerer ab - schräg, wie die Verästelung eines Zweiges. Er führt im Halbkreis als Treppe irgendwo nach oben. Über den ersten Absatz der Treppe ist ein fast unsichtbarer Draht gespannt. Sieht so aus, als wollte wer nicht, dass jemand die Treppe hinaufgeht. Neugierig steige ich trotzdem vorsichtig über den Draht. Es ist noch jemand anderes dabei. Die Treppe ist schmal und auch niedrig, so dass man sich ducken muss. Nur ein paar Stufen höher sehe ich schon, wohin sie führt - ein winziger Treppenabsatz, nicht größer als ein Bett, der mit Lumpen und Decken ausgepolstert ist. Ein wenig erinnert der Anblick an ein Nest. Anscheinend hält sich hier regelmäßig jemand auf. Ich äußere den Verdacht, dass dies das Versteck eines Kindermörders ist, und weil wir uns leicht gruseln, verlassen wir den Treppengang wieder.
Nun befinde ich mich mit meinem Cousin J. in einer Wohnung. Vielleicht war er es auch schon, der auf dem Dachboden dabei war. Wir liegen zusammen in einem weiß bezogenem Bett, ich mit dem Rücken zu ihm. Ich höre, wie er hinter mir ejakuliert, dann sprechen wir miteinander über irgendwas , wobei J. verärgert klingt. "Du ärgerst dich ja nur, weil du nicht mit mir schlafen darfst." sage ich zu ihm.
Jetzt stehen in einer Wohnung (dieselbe?) die Fenster offen und bieten einen kilometerweiten Blick bis zum Ufer des Meeres. Es scheint ein schöner Spätsommertag zu sein, es ist warm und die Sonne scheint. Trotzdem ist das Meer recht bewegt, so bewegt, dass man noch so weit entfernt die hohen Wellen sieht und auch das Brausen hört. Am intensivsten ist jedoch der Geruch, der zum Fenster herüberfliegt - der frische Geruch von Algen, Wasser und Strand. Spontan entschließen sich meine Mutter, meine Tante und ich, zum Meer hinunter zu fahren. Genaugenommen ist es nur eine Bucht, den mehrere Brücken führen hinüber und auf der anderen Seite gibt es irgendeinen Tierpark oder ähnliches. Doch noch vor der Brücke steht plötzlich ein meterhoher aufgerichteter, leuchtend orangeroter Bär vor uns. Er läuft auf zwei Beinen, ist doppelt bis dreifach so groß wie ein Mensch und wirkt ziemlich bedrohlich. Sofort stehen wir alle still und wagen kaum zu atmen, da wir wissen, dass es noch gefährlicher wäre, wenn wir jetzt abrupte Bewegungen machen oder gar weglaufen. Er scheint auch tatsächlich nur neugierig zu sein, haut aber und zu mit einer Tatze um sich. Erst beschnüffelt er meine Mutter und meine Tante, dann geht er an ihnen vorbei und kommt auf mich zu. Die Spannung zwischen dem Wunsch wegzulaufen und der Disziplin, still stehen zu bleiben, wird fast unerträglich. Ich erwarte jeden Moment, dass mir seine Tatze um die Ohren fliegt, doch auch an mir geht er vorbei, immer auf zwei Beinen, und steuert auf meine verstorbene Katze zu , die sich in einem Graben zusammengerollt hat. Normalerweise wäre sie fauchend aufgesprungen und weggeschossen, aber unerklärlicherweise bleibt sie vollkommen unbeteiligt liegen. Der Bär läßt sich auf seine vier Beine runter und beginnt sich an ihr zu schaffen zu machen, am liebsten würde ich ihr zurufen, dass sie weglaufen soll, weiß jedoch nicht, ob der Ruf oder das Weglaufen die Sache nicht noch verschlimmern. Irgendwie fürchte ich schon, dass der Bär meine Katze frisst, sie mit zwei Bissen verschlingt, aber dann stellt sich heraus, dass der Bär sie nur beschnüffelt und beleckt. Man bekommt fast den Eindruck, dass die beiden sich mögen.

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Das verborgene Buch der Träume

...und andere gesammelte Schätze aus den Tiefen des Seelenmeeres

Träume

~Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr der Menschen...~ (Hiob 33,13-16)

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~Ich träumte, ich sei ein Schmetterling, hin und her flatternd, mit allen Absichten uns Zielen eines Schmetterlings. Plötzlich erwachte ich, und lag da wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht, war ich ein Mensch, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der jetzt träumt, er sei ein Mensch?~ (Tschuangtse, chinesischer Philosoph)

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