Chagall im Nachbarhaus
Ich sitze gerade im alten Badezimmer meiner Eltern, anscheinend ist es früh am Morgen, auf dem Klo und verrichte ein großes Geschäft, als die Tür aufgeht und meine Mutter hereinkommt. Mist, ich habe vergessen, die Tür zu verriegeln! Trotzdem fühle ich mich meiner Mutter gegenüber sehr unbefangen, schließlich hat sie mich schon als Kind auf den Topf gesetzt, also warum sollte ich mich jetzt genieren. Deshalb rufe ich sie auch zurück, als sie gehen will, weil mir gerade etwas auffällt. Während ich sitze, schaue ich direkt aus dem Badfenster in das Nachbarhaus. Dort ist ein Fenster geöffnet und ich erkenne plötzlich das Bild von Chagall, das immer in unserem Wohnzimmer hing. Auf dieses zeige ich und meine Mutter ist ebenso fasziniert wie ich. Während wir schauen, verwandelt sich das Bild. Aus einem Hochformat wird ein Querformat, und aus den typischen Blau-Weiß-Chagallfarben werden zarte Braun- und Rottöne. Auffällig ist, daß das Bild ganz genau so groß wie das Fenster zu sein scheint und auch dieselbe Form hat, so daß das Fenster wie ein Rahmen dazu wirkt. Außerdem kommt es mir so vor, als sei es mit Absicht genau an diese Stelle an der Wand hinter dem Fenster gehängt worden, damit es das Fenster ausfüllt und jeder es sehen kann. Das scheint ein sehr schlauer und geheimer Feng-Shui-Trick zu sein, denn das Bild im Fenster zieht geradezu magisch in die Wohnung hinein und verbreitet schon von draußen eine zauberhafte und angenehme Stimmung. Das sollte ich mir merken.
Etwas später sitze ich nicht mehr im Badezimmer auf dem Klo, sondern mitten auf einem öffentlichen Platz. Hier fühle ich mich schon reichlich unwohler und habe das Gefühl, daß die Leute mich seltsam oder sogar böse anstarren. Anscheinend kommt die öffentliche Verrichtung der Notdurft nicht so gut an. Ich versuche mich damit abzulenken, daß ich meine Umgebung genau beobachte. Da wird der Himmel auf einmal schwer und dunkel und es beginnt zu hageln. Ein Unwetter, und was für eines! Hoffentlich komme ich bei diesem Unwetter noch zur Arbeit!

Etwas später sitze ich nicht mehr im Badezimmer auf dem Klo, sondern mitten auf einem öffentlichen Platz. Hier fühle ich mich schon reichlich unwohler und habe das Gefühl, daß die Leute mich seltsam oder sogar böse anstarren. Anscheinend kommt die öffentliche Verrichtung der Notdurft nicht so gut an. Ich versuche mich damit abzulenken, daß ich meine Umgebung genau beobachte. Da wird der Himmel auf einmal schwer und dunkel und es beginnt zu hageln. Ein Unwetter, und was für eines! Hoffentlich komme ich bei diesem Unwetter noch zur Arbeit!

Kurzträume und Fragmente - Freitag, 28. November 2008, 08:57










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