Im Bett mit Hausmeister S.
Irgendjemand, ein imaginäres Etwas im Hintergrund, verlangt von mir und Hausmeister S., daß wir miteinander schlafen. Die Idee stammt weder von mir, noch von ihm, obwohl mir schon klar ist, daß für ihn damit wohl ein Traum in Erfüllung geht und er sich dieser Aufgabe deshalb etwas freudiger widmet als ich. Eigentlich habe ich auch nicht vor, mich meiner Pflicht zu entziehen, obwohl mir schon der Gedanke seiner Nähe unangenehm ist, doch sobald er bei mir im Bett ist und versucht, mir den Slip auszuziehen, sträube ich mich. Er versucht es mehrere Male und läßt wegen meines Widerstandes wieder ab. In mir kämpfen Pflichtgefühl und Wille miteinander, aber triebhaft gewinnt stets der Wille die Oberhand und der sagt: Nein! Mir fallen die Boxershorts auf, die S. trägt. Sie sind bunt-geblümt auf schwarzem Untergrund und auf der linken, unteren Ecke befindet sich die Abbildung eines großen Schmetterlings aus milchig-filigranen Linien. In einiger Entfernung betrachtet, wirkt der Schmetterling eher wie ein Spermafleck. Vielleicht ist es ja auch einer und ich deute nur einen Schmetterling hinein. Da S. unten bei mir nicht weiterkommt, öffnet er jetzt mein weißes, etwas altertümlich anmutendes Nachtgewand und saugt an meiner Brust. Ich lasse ihn kurz gewähren und schiebe ihn dann weg, worauf er versucht mich zu küssen. Schnell wende ich das Gesicht ab, so daß er nur meine Wange erwischt. Die intime Nähe mit ihm ist mir unangenehm und erzeugt fast Übelkeit. Er wirkt etwas ratlos und scheint mir gegenüber ziemlich befangen zu sein. Das versuche ich mir damit zu erklären, daß er eine gewisse Bewunderung für mich hegt. Ich spüre, daß er zwar schon gerne würde, aber die Situation aufgrund seiner Befangenheit ebenfalls als etwas unangenehm empfindet. Natürlich könnte er auch einfach Gewalt anwenden, aber entweder ist er dazu nicht der Typ Mann oder aber, seine Befangenheit hält ihn davon ab. Dies ist ein Aspekt, den ich ausnutzen sollte. Das tue ich, indem ich ihn nicht gänzlich zurückstoße, um ihn nicht wütend zu machen, aber mich weiterhin gekonnt ziere. Irgendwann ist die Zeit vorbei und wir dürfen voneinander ablassen. Nicht nur ich bin heilfroh darüber, auch er scheint einigermaßen erleichtert. Als wir zusammen in der Straßenbahn sitzen, ist er wieder viel unbefangener und lockerer. Auf einer Werbefläche an der Fahrerkabine wird das Bild einer Boxershorts projeziert. Es ist dieselbe, die er im Bett getragen hat, was er auch sofort laut ausruft: "Da sind meine Boxershorts, siehst du?" Ich nicke nur und denke still: "Oh ja, schrei es noch lauter, damit jeder weiß, daß wir zusammen im Bett waren."
Beziehungsträume - Samstag, 4. Oktober 2008, 10:51










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