Donnerstag, 12. Mai 2005

Verwechslung von Leben und Tod

Nun ist schon die beste Freundin von meiner Mutter tot und der beste Freund von meinem Vater. Letzte Nacht träumte ich das erste Mal nach seinem Tod von letzterem. Das ist nichts besonderes, denn ich träume häufig von Verstorbenen und regelmäßig kurz nachdem sie verschieden sind. In meinen Träumen sind sie immer sehr lebendig. Doch das seltsame bei diesem Traum war, dass die Tatsachen verdreht waren. Der Freund war lebendig, während seine Frau, die eigentlich noch lebt, verstorben ist. Wir machten uns deshalb Sorgen um ihn, weil wir befürchteten, dass er alleine nicht klar kommt, denn war es doch immer seine Frau, die auf ihn geachtet hat, da er sonst ziemlich sorglos mit sich umging. Deshalb besuchten wir ihn in seiner Wohnung, mußten aber feststellen, dass er bestens zurecht kam, die Wohnung tiptop war und er sehr heiter wirkte. Außerdem erfuhren wir, dass er in seiner Traumwohnung eine Haushälterin hat, die ab und zu vorbeikommt.

Dieser Traum brachte mich auf den Gedanken, ob es nicht vielleicht auch so sein könnte, dass der Tod eigentlich das "richtige" Leben ist und das Leben der "richtige" Tod. Vielleicht ist das Leben nichts anderes als so eine Art Zwischenzeit bis zum wirklichen Leben. Und diejenigen, die tot sind, sind eigentlich lebendig, während die Lebendigen sich eigentlich in einem Zustand des Todes befinden. Vielleicht in einem Bewußtseinszustand in welchem ihnen Leben vorgegaukelt wird, während das wirkliche Leben noch auf sie wartet. Auf merkwürdige Ideen bringen einen manche Träume.

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Moonlight_Shadow (Gast) - 11. Nov, 11:59

Hallo...
deine Idee, die du da von Leben und Tod in "umgekehrter Reihenfolge" hast, ist gar nicht so untypisch. Vor einer Woche ist mein lieber Opa verstorben, gestern gerade habe ich ein Buch über "Leben nach dem Tod" gelesen, und das "Tibetanische Totenbuch" angefangen, um irgendwie einen Weg zu finden, mit der Trauer umzugehen. Diese Ansicht, dass das Leben was wir auf Erden führen "nur ein Übergangsstadium" ist, ist vor allem in zweiterem sehr verbreitet. Dort heißt es in etwa: Der Tod, der 49 Tage andauert, ist das Zwischenstadium von einem zum nächsten Leben, bevor man dann irgendwann endgültig die Vollendung im Nirvana erfährt. Da ich Christ bin, und an das ewige Leben glaube, tue ich mich mit dieser Auffassung etwas schwer, aber ich habe das Buch auch noch nicht ganz durch gelesen. Ich persönlich glaube dennoch, dass man das, was du als Idee hattest, auch auf ein ewiges Leben übertragen kann. Wenn du dir Berichte von Nah-tod-erfahrungen anschaust, dann wirst du feststellen, dass es keinen unter ihnen gibt, der diese andere Seite nicht als erfüllt, wunderbar und unbeschreiblich schön zum Ausdruck bringt, eine Seite, in der sie ganz und gar ein Bewusstsein hatten oder es vielleicht sogar waren, sie also in gewisser Weise gelebt haben. Dazu kommt, dass sie alle sagen, dass ihre Sinnesfähigkeiten zum Teil viel ausgeprägter waren, als im "normalen" Leben...
Deutet da nicht einiges darauf hin, dass das, was nach dem Tod kommt, eine wesentliche und (rein spekulativ) bessere Form des Seins sein wird?
Ich fand dieses Buch sehr tröstlich...
Vielleicht konnte ich dir ja ein bisschen helfen...
Liebe Grüße.

zuckerwattewolkenmond - 12. Nov, 00:14

Hallo Moonlight Shadow,

danke für deinen Kommentar. Das Tibetanische Totenbuch habe ich schon einmal gelesen und die Erzählungen von Nahtoderfahrungen finde ich auch immer sehr interessant. Aber besonders fasziniert mich an meinen Träumen (der obige ist nicht der einzige dieser Art) diese explizit umgekehrte Wahrnehmung von Leben und Tod. Die, die für unsere Begriffe tot sind, leben, und die, die leben, sind eigentlich tot. Wenn man länger darüber nachdenkt, kommt man auf die unglaublichsten Gedanken. Was wäre, wenn das eigentliche Leben erst nach dem Tod beginnt? Dies muß gar nichts mit Wiedergeburt zu tun haben, sondern kommt, wie du schon sagtest, dem christlichen Glauben vom ewigen wahren Leben sehr nahe. Wenn die Lebenden "tot" sind, dann gibt es womöglich gar keinen Tod. Oder aber, der Tod ist etwas völlig anderes, als wir uns vorstellen. Vielleicht ist unser Leben=Tod einfach das, was man im allgemeinen die Hölle nennt. Dies käme dann dem Glauben der Katharer sehr nahe.

Liebe Grüße

Das verborgene Buch der Träume

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Träume

~Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr der Menschen...~ (Hiob 33,13-16)

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~Ich träumte, ich sei ein Schmetterling, hin und her flatternd, mit allen Absichten uns Zielen eines Schmetterlings. Plötzlich erwachte ich, und lag da wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht, war ich ein Mensch, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der jetzt träumt, er sei ein Mensch?~ (Tschuangtse, chinesischer Philosoph)

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